G
O
R
Gemeinschaft Ortsbild Roßwag e.V.

Die Roßwager Weinbergmauern

Weinbergmauern in der Roßwager Halde
Weinbergmauern in der Roßwager Halde

Das Ortsbild von Roßwag wird bestimmt durch den eindrucksvollen Steilhang der Enz, der den Ort gegen Norden abschirmt. Die markante Kulisse dieses natürlichen Amphitheaters an der Roßwager Enzschleife hat die Besucher zu allen Zeiten entzückt. Trockenmauern durchziehen den Hang und geben ihm Halt. Sie sind ein prägendes Element für das Roßwager Enztal und werden es wohl auch in Zukunft bleiben, denn Weinbau in dieser vom Klima so begünstigten Steillage am geschützten Hang ist ohne die Mauern nicht denkbar.

Am Neckar und in seinen Seitentälern begann der Weinbau ungefähr um das Jahr 800 n. Chr., in den Hanglagen etwa ab dem 10. Jahrhundert. Damals wurde auch begonnen, die Hänge gegen das Abrutschen und zum leichteren Wirtschaften mit Trockenmauern abzustützen, die Steine von der Erde abzulesen und seitlich zu Steinriegeln aufzuschichten, die sich die Hänge hinabziehen und zusätzlich zur horizontalen Gliederung durch die Mauern eine vertikale Strukturierung schaffen.

Weinbergmauer im Wolfsheulen
Weinbergmauer im Wolfsheulen

Mit dem Bau der Weinbergmauern und dem Aufschichten der Steinriegel wurden Lebensräume geschaffen für eine Tier- und Pflanzenwelt, wie sie eigentlich eher für das milde Klima in südlicheren Landschaften typisch ist. Die Fähigkeit der Trockenmauern und Steinriegel, die eingestrahlte Sonnenwärme tagsüber zu speichern und nachts an die Umgebung abzugeben, sorgt dafür, daß diese Tiere und Pflanzen auch bei uns die Bedingungen vorfinden, die ihnen zusagen. Diese Wirkung kommt natürlich nicht nur denjenigen Weinbergbewohnern zugute, die von alleine den Weg dorthin gefunden haben - vor allem auch der Wein selbst profitiert von den positiven Auswirkungen der wärmespeichernden Weinbergmauern und Steinriegel auf das Mikroklima. Dazu kommt noch die geschützte Lage im Talkessel. Nicht umsonst ist der Wein von der Roßwager Halde wegen seiner Qualität besonders begehrt.

Eine besondere Eigenart an den Hängen des Enztals sind die steilen Felshänge des oberen Muschelkalks, die auch in der Halde bei Roßwag anzutreffen sind und gemeinsam mit den Trockenmauern und Steinriegeln dafür sorgen, daß die Rebfläche immer wieder unterbrochen wird. So ergibt sich das Bild eines intensiv genutzten und doch reich gegliederten Weinbergs - ein wohltuender Anblick im Vergleich zu manchen rebflurbereinigten Weinbergen der Umgebung.

Weinberglauch
Weinberglauch

Der "Lebensraum Weinberg" besteht wiederum aus verschiedenen Kleinlebensräumen. Alle diese Kleinlebensräume haben ihre besondere Vegetation. Besonders wichtige Lebensräume im Weinberg stellen die Trockenmauern dar. Das Leben dort wird durch das extreme Kleinklima bestimmt, das durch sengende Hitze im Sommer und durch große Trockenheit wegen der geringen Fähigkeit zur Bindung des Niederschlags gekennzeichnet ist. Die in den Steinen der Mauern, Steinriegeln und Felsen gestaute Wärme tut zwar den Tieren und Pflanzen der Umgebung gut - zwischen den Steinen und in den Mauerritzen können jedoch nur Pflanzen überleben, die eine besondere Anpassung an die Hitze und Trockenheit entwickelt haben. Die Tiere kommen wegen ihrer Beweglichkeit mit dem extremen Klima der Trockenmauer besser zurecht als die Pflanzen. In besonderer Weise bieten Trockenmauern und Steinriegel Schutz durch die vielfältigen Höhlen und Verstecke, die sie in ihrem Innern bieten. Vor allem wärmeliebende Tierarten suchen hier Unterschlupf, z.B. Zaun- und Mauereidechsen. Zahlreiche Insekten, Spinnen und andere Gliedertiere schätzen das warme Klima der Trockenmauern. Wichtig ist vor allem die Verbindung zum Erdreich hinter der Mauer (eine hinterbetonierte Mauer ist ökologisch wertlos).

alte Weinbergstaffel
alte Weinbergstaffel

Ähnliche Bedingungen herrschen in den Steinriegeln. Hier werden die oberen Lagen genauso ausgeglüht wie die Mauern, und nur besondere überlebenskünstler unter den Pflanzen können hier existieren. Die zahlreichen Zwischenräume in einem Steinriegel wirken aber wie isolierende Luftpolster, so daß in den tieferen Schichten der Steinriegel weniger extreme Bedingungen herrschen. Manche Sträucher schaffen es, ihr Wurzelwerk bis in den Boden zu treiben. Im Lauf der Jahre wird Erde aus der Umgebung angeweht, und es bildet sich Humus in den unteren Schichten der Steinriegel. So können sich dort im Lauf der Zeit Beerensträucher ansiedeln.

Mit ihrer schweren Arbeit, die zur Pflege der Weinberge in der Roßwager Halde notwendig ist, leisten die Wengerter einen enorm wichtigen Beitrag zur Erhaltung eines wertvollen Stücks Kulturlandschaft. Man muß sich klar darüber sein, daß diese Leistung im Dienste der Allgemeinheit in der Zukunft nur dann gewährleistet ist, wenn sie sich auch wirtschaftlich lohnt. Keinesfalls dürfen jedoch vordergründig wirtschaftliche überlegungen zur Zerstörung der wertvollen Biotope und der Kulturdenkmale führen. Damit würde ein ganz wesentlicher Teil dessen zerstört, was den Reiz von Roßwag ausmacht und unser Dorf bisher noch von so vielen gesichtslos gewordenen Ortschaften unterscheidet.

Diese Form der Bewirtschaftung ist zu Recht ein externer Link gemeinsames Anliegen für Weinbau, Denkmalschutz und Naturschutz geworden.

Für den Heimatverein Backhäusle ist die Roßwager Halde mit ihren alten Weinbergmauern und die Erhaltung der alten Weinbergmauern als Kulturdenkmal ein externer Link Schwerpunkt der Tätigkeit.

(nach oben) © 2005-2017 Gemeinschaft Ortsbild Roßwag e.V. -- zuletzt geändert am 15.03.2017